Kindertaufe vs. Glaubenstaufe nach Karl Barth
Hab mich in letzten Tagen mit der Tauffrage auseinandergesetzt. Die Frage wurde aktuell, da einige meiner Freunde sich demnächst taufen lassen wollen, aber auf Widerstand und Unverständnis bezüglich der Glaubenstaufe treffen. Und wie der Zufall will habe ich vor ein paar Tagen ein Band der Dogmatik von Karl Barth in die Hände bekommen. Eigentlich wollte ich mehr über Karl Barths Sicht von Mächten und Gewalten erfahren, bin aber dann bei Karl Barths Lehre über die Taufen hängen geblieben. Karl Barth war bekanntlich kein Baptist oder Mennonit, sondern wohl der anerkannteste evangelisch-reformierte Theologe und der Kirchenvater des 20. Jahrhunderts(Wiki). In der „„Kirchlichen Dogmatik“ im 4. Band, 4. Teil setzt sich Barth auf über 240 Seiten intensiv mit der Taufpraxis auseinander und kommt bezüglich der Kindertaufe zu einer eindeutigen Position.
Das Argument das Eltern oder Paten für die Kinder glauben lässt Barth nicht stehen.
„Das einer faktisch selber glaubt […] das kann nur seine eigene Entscheidung und Tat sein, […] die aber niemand ihm abnehmen, niemand ihn vollziehen kann. „Das steht kein adere für ihn ein.“ Das gilt sofort als und erst recht für den Beginn des christlichen Lebens in der Umkehr, in jener Absage und Zusage und so im Vollzug des Taufgeschehens. […] Zu dem Vollzug unentbehrlich ist aber auch der eigene Glaube des Täuflings selbst. Nicht nach irgendeiner Vollkommenheit seines Glaubens ist gefragt. Aber nach seinem eigenen Glauben – und wäre er noch so kümmerlich – ist gefragt. Wenn gerade er nicht glaubt, wenn da bloß Andere sind, die glauben, wie soll dann das, was da beginnt, sein eigenes christliches Leben werden können […]?“ S. 205
Dann nach über 200 Seiten Argumentation kommt das Finale, indem er auch sehr eindeutige Warnungen in Richtung der Kirche formuliert:
Genug von dieser kümmerlichen Sache! Die Theologie kann und darf die Kirche nur beraten wollen. Es wäre der Kirche freilich gut, wenn sie gelegentlich ernstlich auch nach dem Rat der Theologen fragen und dann auch ernstlich anhören würde. Der Rat, der ihr hier - in Sachen der Kindertaufe – ungefragt und nur mit spärlichster Hoffnung, dass auf ihn gehört werden möchte – gegen wird, kann nicht dahin lauten, sie dürfe und solle auf dem in ihrer Taufpraxis in grauer Vorzeit eingeschlagenen und seither durch alle Wandlungen ihrer Geschichte hindurch obstinat fortgesetzten Weg mit vermeintlich gutem Gewissen weiter und weiter gehen. Die Theologie kann ihr nicht bestätigen, dass sie dabei im Gehorsam handelt und also ein gutes Gewissen haben darf. Sie (die Theologie) kann die Verantwortung, die die Kirche mit der Einführung dieser Taufpraxis übernommen hat und mir ihrer Aufrechterhaltung fort und fort übernimmt, nicht mit ihr teilen. Sie ist eine unordentliche Taufpraxis. Dass die Kirche an ihr (wie auch an ihrer kümmerlichen Predigt und an so vielen andern Kümmerlichkeiten) in all den Jahrhunderten und bis auf diesen Tag nicht zu Grunde gegangen ist, ist wohl war. Es wäre aber sehr gefährlich, wenn sie sich darauf berufen, sich darauf verlassen würde, dass die Sache ihr auch in Zukunft nichts anhaben würde. Die Geduld Gottes hat in der Geschichte Israels ihre Hoheit und damit ihre Grenzen in gewissen großen durch Israels Verstocktheit unvermeidlich gemachten Gerichten und Katastrophen sichtbar werden lassen. Solche dürfen auch einer ihren alten Irrtümern allzu treuen Kirche nicht sicher und nicht für immer erspart bleiben. Allen, die es angeht: den Theologen (leider hat es sich ja auch in der Theologie von ferner noch nicht durchgesprochen, dass es sich in der Kindertaufe um einen alten kirchlichen Irrtum handelt), den christlichen Gemeinden, Pfarrern usw., auch den einfachen Christen sei es gesagt, dass sie zusehen mögen, ob sie die Verantwortung für die herrschenden Taufpraxis ferner tragen können und wollen, oder ob sie es nicht wagen dürften und müssten, sich die Wunde mindestens eingestehen, an der die Kirche an diesem wahrhaft vitalen Punkt, folgenschwer nach allen Seiten leidet [...] S. 213 f
[...] des Marburger Kreises und habe über Taufe gesprochen. Da Fragen offen waren und ich bisher nur einmal auf dem Blog Statements, Predigt-, Artikel- und Buchempfehlungen zum Thema “Taufe [...]
[...] Predigten und Artikel über die Taufe Kindertaufe vs. Glaubenstaufe nach Karl Barth [...]